Der Glaubenskrieg – ein Kommentar

von Garry, Freitag, 09.12.2011, 17:09 Uhr

Man könnte so viele Sätze vorweg schicken. Zum Beispiel, dass man mich für diese Kolumne ruhig flamen darf – bin doch sowieso ein Blizzard Fanboy. Zum Beispiel, dass ich doch besser eigentlich den Mund gehalten hätte, um mich nicht wieder einmal ins Kreuzfeuer der Kritik zu begeben – bin doch sowieso ein Gutmensch. Oder auch, dass es doch bitte jedem einzelnen Spieler (und damit Menschen) selbst überlassen bleibt, welches Spiel er spielt.

Alles richtig.

Und doch ist es mir ein Bedürfnis, über das Thema zu schreiben, welches schon lange schwelt, aber erst jetzt so richtig an die Oberfläche tritt. Natürlich geht es um WoW vs. SWTOR, um was auch sonst. Der Glaubenskrieg hat begonnen.


Die Pro-Gamer Gilde For The Horde hat die Fronten gewechselt. Man wird nun SWTOR spielen und aus dem WoW-Wettbewerb aussteigen. Warum weshalb wieso soll hier gar keine Rolle spielen. Vielmehr geht es darum, ob SWTOR die neue Erfüllung am MMO-Himmel ist und ob WoWs Zeit abgelaufen ist.

Ich denke nicht, dass man diese Frage richtig oder falsch beantworten kann. Für mich haben beide Spiele ihre Daseinsberechtigung. Das eine ist alt, das andere neu. Beides sind starke Marken und beide setzen auf das altbewährte Abo-Modell. Nix Free2Play.

Wie immer gibt es zwei Fraktionen. Die einen fühlen sich als die „bessere“ Community, weil sie das von Bioware favorisierte Rollenspiel mögen. Die anderen möchten möglichst schnell bis zum maximal möglichen Level questen und dann in Raids einsteigen. Die einen mögen vertonte Quests, die anderen nicht. Die einen wollen nichts mit den anderen zu tun haben. Und mit Progress-Gilden schon gar nicht. Der eine schimpft auf den anderen und vergessen wird dabei die Liebe zum Computerspiel an sich.

All diejenigen, die von WoW zu SWTOR wechseln sollten nicht vergessen, wie viele Jahre Spaß ihnen ihr WoW bereitet hat. Für mich ist es eine unumstößliche Tatsache, dass Blizzard ihnen enorm viel gegeben hat. WoW hat den Spielemarkt verändert, ja vielleicht sogar revolutioniert. Gute MMOs gab es zwar auch schon vor WoW, aber erst die Orkse und Paladine aus dem Blizzard-Universum haben MMOs salonfähig für jedermann gemacht. Vorher fristeten MMOs ein regelrechtes Nischendasein, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass im Jahre 2000 oder 2002 noch nicht jeder einen Internetanschluss hatte, geschweige denn eine Flatrate.

Daher sollten Wechsler nicht zu hart mit WoW ins Gericht gehen. Immerhin haben viele Spieler es sehr lange dort ausgehalten, da kann nicht alles falsch gewesen sein.
Aber ein Abgesang auf WoW soll das nicht sein. Das Spiel ist weiterhin richtig gut, auch wenn nicht jeder mit der blizzardschen „Casusal“-Politik einverstanden sein mag. Und wer mal die „Ich hasse das alles“-Brille absetzt, der wird neidlos anerkennen, dass auch der neueste Patch 4.3. ein guter Patch geworden ist mit viel Inhalt und Liebe zum Detail. Auch wenn er auf die immer gleiche „Ich hab nen besseres Item als vorher“-Spirale aufsetzt. So ist WoW eben. So und nicht anders.

Andere Spieler, die in SWTOR einsteigen wollen, haben nie WoW gespielt. Sie kommen von Star Wars Galaxies oder sonst woher und stehen einem Massenphänomen sehr kritisch gegenüber. Sie sind es nicht gewohnt, dass plötzlich Themen wie Raid-Progress und Spielmechaniken eine derartig große Rolle spielen sollen. Sie kennen (und wollen) keine „First Kill“ News lesen und sie stehen einer Progamer-Gilde wie For The Horde sofort ablehnend gegenüber. Weil Progamer sind wie Alpha-Tiere. Sie sind Meinungsmacher.

Das ist in Ordnung so. Menschen sind unterschiedlich. Menschen fühlen anders und haben verschiedene Ansichten. Manche Menschen mögen das Spiel, andere jenes. Und man kann und sollte überhaupt nicht versuchen, dem einen Menschen sein eigenes bevorzugtes Spiel aufdrängen zu wollen.

Doch Bioware legt es darauf an, ein wenig so zu werden wie WoW. Nicht unbedingt, was ihr Spiel betrifft. Aber sie müssen eine möglichst breite Zielgruppe ansprechen um profitabel zu werden. Dazu gehören auch Progress-Gilden. Man hat extra drei Schwierigkeitsgrade in den Raids geschaffen, um besonders motivierten Spielern besondere Herausforderungen zu bieten.
Dazu gehören aber auch ehemalige WoW’ler, dazu gehören ehemalige SWG’ler, dazu gehören Menschen, die noch nie ein MMO gespielt haben – aber mit Star Wars anfangen wollen. SWTOR muss und wird zugänglich für alle werden. Es wird kein Nischendasein fristen, dafür war es zu teuer. Es muss massenkompatibel werden.

Auch das ist in Ordnung.

Am Ende kann sich jeder Spieler frei entscheiden, was er bevorzugt. Und man soll sein Spiel auch vertreten in all den Foren und Communities und man darf ruhig auch mal eine Spitze auf „die WoW’ler da drüben“ absetzen. Das ist doch das Salz in der Suppe, ein wenig Geflame und Gebashe darf schon sein. Mit Niveau versteht sich.
Aber trotzdem sollte man nicht übertreiben. Wenn jemand lieber im Orkse-Universum herumrennt und Spaß daran hat, dann sollte man seine Abneigung gegen SWTOR genauso akzeptieren wie andersrum. Und es soll sogar Spieler geben, die beide Spiele konsumieren wollen, weil sie beide gut finden.

Ich zum Beispiel.

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