DotM: Kritik-Mentalität und Erwartungshaltung

von Kevin Nielsen, Sonntag, 19.02.2012, 14:30 Uhr

Auch in diesem Monat haben wir wieder eine neue Discussion of the Month. Dieses Mal handelt es sich um ein Thema, das sich aus den Beobachtungen von mir (Sankar) über die letzten Monate ergeben hat und ein Phänomen ist, dass auch bei beinahe jeder News auftaucht. Wir wollen uns heute mal fragen, wie sich die Art zu Kritisieren in den letzten Monaten und Jahren in der Community entwickelt hat und ob diese auch mit einer eventuell überzogenen Erwartungshaltung zusammenhängt? Als Grundlage dieser Diskussion werde ich euch folgend ein paar meiner Überlegungen schildern.

SWTOR und BioWare dienen hierbei als Beispiel, aber auch andere Firmen und Spiele der Branche werden ihre Erwähnung finden. Das Thema ist kein Phänomen bei SWTOR, sondern scheint ein schleichender Prozess gewesen zu sein, der langsam aber sicher überhand nimmt und sich zu einer Kultur des Kritisierens entwickelt hat.


Wenn man die Foren und zwar egal welche in letzter Zeit oder besser seit Release des Spiels beobachtet hat, dann kommt man nicht drumherum festzustellen, dass beinahe jeder Thread ein "Das oder das gefällt mir nicht – patchen, jetzt sofort!" ist. Nun kann man sagen, dass dies am Spiel liegt und es einfach so viele Probleme und Fehler hat. Wenn man allerdings genauer hinschaut, dann stellt man beim zweiten Blick fest, dass es viele Themen und Probleme nicht nur in einem, sondern gleich in mehreren Threads gibt. Ein jeder Spieler scheint zu denken, dass er einen extra Thread aufmachen muss, damit die Entwickler sehen, welche Wichtigkeit ihr Problem hat.

Das nächste Phänomen ist, dass entsprechend auch viele Spieler meinen sie müssen in jeder News ihren Unmut über das Spiel zum Ausdruck bringen. Das nicht auf normale Art und Weise, nein, sondern mit Sätzen wie "BioWare kann gar nix!", "Selten so einen unfähigen Entwickler gesehen!", "Warum brauchen die soooo lange um zu patchen?!!", "Das ist doch so simpel, warum ändern die das nicht einfach mal kurz?!" – davon gibt es noch einige Beispiele mehr unter anderem viele, die sehr beleidigend sind. Damit sind wir auch schon beim Ton, der bekanntlich die Musik macht. Viele schreiben nicht nur in den Foren sehr aggressiv, sondern auch Tickets werden in einem Tonfall geschrieben, dass man sich fragen muss, ob die Bioware Mitarbeiter überhaupt darauf reagieren.

Und wie wird es immer wieder begründet? Richtig, der weltberühmte 13 Euro Joker, der stets zum Einsatz kommt. Es scheint, als würden diese 13 Euro jeden Spieler zum Chef des Spiels machen und wenn man nicht dessen Wünsche zeitnah (also sofort) umsetzt, macht es wohl im Kopf klick und man zieht den Joker. Woher kommt dieses Denken? Und vor allem diese Aggression, die oftmals drin steckt?

Natürlich sind die Personen, die im Forum schreiben immer der kleinere Teil der Spielerschaft, da die Kritiker sich schneller zu Wort melden, als die Liebhaber. Jedoch muss man sagen, dass es nichts Nervigeres gibt, als ständig zu hören, wie schlecht ein Spiel ist, wie dumm man sein kann es noch zu spielen, wie unfähig die Entwickler sind, wie der Kapitalismus alles zerstört hat, das früher alles besser war, dass andere Spiele es doch vorgemacht haben wie es geht, warum man nicht das oder das einfach mal kurz übernehmen kann und meine persönlichen Lieblingsvergleiche, die immer so beginnen: "Wenn ich ein Auto (kann durch x-beliebiges Objekt ersetzt werden) kaufe…"

Woher kommt dieses Gefühl, dass man sich alles erlauben und über alles bestimmen kann? Warum nicht einfach die Dinge, die einem auffallen per Ticket melden, dabei höflich bleiben und ein wenig Geduld beweisen. Manche Bugs kann man auch selber umgehen und sind daher nicht mehr so schwer. Nicht jeder Bug ist wichtig genug, dass er am nächsten Tag (oder Wochen) nach der Ticketmeldung gefixt wird. Kritik sollte immer auch mit Lösungsvorschlägen oder Ansätzen einhergehen, denn diese zeigen, dass sich a) der Spieler Gedanken darum gemacht hat und b) gibt es den Entwicklern einen Anstoss. Kritik und Feedback soll und muss gemacht werden, aber wir alle tun gut daran etwas runterzuschalten und das Ganze ein wenig entspannter zu sehen.

Es geht dabei vor allem darum, sowohl in Foren als auch Ingame den anderen Spielern das jeweilige Spiel nicht immer schlecht zu reden oder auch umgekehrt nicht übermäßig betonen wie toll und super alles ist (obwohl es sichtbare Probleme gibt). Man kann seine Meinung äußern, aber man muss sie anderen nicht auf die Nase binden und sie davon überzeugen, dass ein Spiel nicht gut ist, obwohl der Andere es mag. Auch dieses ständige Gerede, dass ein Spiel sterben wird und kurz vor dem Aus oder F2P steht, ist doch mehr als fraglich. World of Warcraft wird glaube ich seit Release nachgesagt, dass es kurz vor dem Ende steht. Wie wir nun seit der letzten Investorenkonferenz wissen, erfreut es sich weiter großer Beliebheit und besitzt immernoch über 10 Millionen Spieler. Auch mit den 1,7 Millionen SWTOR Spielern sind EA und BW hochzufrieden, nur scheinen die Spieler immer meinen zu müssen, ein Spiel kann nur dann lukrativ sein, wenn es mehr Spieler als der bisherige Primus hat. Was natürlich nicht der Fall ist.

Man kann WoW schlecht reden, man kann SWTOR schlecht reden oder RIFT, oder AoC, oder irgendein anderes Spiel. Gemeinsam haben sie alle eins: Es gibt Spieler, die es gerne spielen und mit dem Spiel soweit zufrieden sind. Alle sehen, dass es hier und da Probleme gibt, bei einem neuen Spiel, wie SWTOR noch etwas mehr, bei einem alten Hasen, wie WoW etwas weniger usw. Aber dennoch, man spielt es am Ende gerne und das entscheidet jeder für sich. Es ist auch nicht schön, wenn man sich dazu bekennt, zufrieden mit dem aktuellen Zustand von WoW / SWTOR zu sein und schon allein dafür von anderen Spielern angegriffen, gerade auch in den Ingamechats geflamed und als Fanboy hingestellt zu werden. Das ist in meinen Augen ebenfalls die falsche Art. Kann es nicht sein, dass wenn man selbst Probleme mit dem Spiel hat und einen vieles stört oder nicht passt, es anderen Spielern nicht dennoch Spass macht oder gefällt?

Wir alle sollten mehr Akzeptanz gegenüber unseren Mitspielern haben, ihnen nicht ständig vorhalten wie das Spiel kurz vor dem Aus steht und vor allem wie sie das Spiel zu sehen haben. Kritik mit mehr Gelassenheit und mehr Inhalt anbringen, aber vor allem ruhig bleiben und nicht immer gleich auf 180 gehen. Am Ende ist es auch nur ein Spiel und glücklicherweise kann man in einem MMO verschiedene Dinge machen und so auch mal einen Bug liegen lassen bis er behoben ist. Auch die Erwartungen an Spiele sollten wir mal ein wenig drosseln. Man muss nicht jedes neu erscheinende MMO zum Hype MMO machen und sagen: "Das ist die neue Nr.1 unter den MMOs". Wenn man ständig erwartet, dass diese Spiele die Krönung werden, kann man nur scheitern und selbst den Spass verlieren. Mehr Realismus gepaart mit ein wenig Optimismus. Wir können uns allen gegenseitig helfen indem wir einen Gang runterfahren und unsere Kritik, unser Feedback und vielleicht auch mal ein Lob entsprechend vergeben.

Was denkt ihr über diese Kritik-Mentalität? Oder bin ich der einzige der diese zugegebenermaßen etwas subjektive Meinung hat? Diskutiert mit uns im Forum!

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