DotM: Ist der Ruf erst einmal ruiniert…

von Bianca Zimmer, Samstag, 15.02.2014, 11:00 Uhr

Star Wars: The Old Republic, unser alle Lieblings-MMORPG, hat mittlerweile nun schon etwas mehr als zwei Lenzen auf dem Buckel und wir können sagen: Es ist viel passiert seit Dezember 2011!

Wir haben einen großartigen Aufstieg erlebt, aber auch einen starken Abfall der Abonnentenzahlen bis hin zum Free to Play-Modell. Seitdem ist aber auch viel ins Spiel gekommen: Neue Planeten, neue Operations und Flashpoints, eine umfangreiches Erfolge-System, eine neue Rasse, viele neue Missionen, Weltraumballerei uvm. Und auch in diesem Jahr erwarten uns zwei Erweiterungen und große Patches – also eigentlich alles tutti, oder?

Augenscheinlich nicht, denn in den Augen vieler gilt SWTOR nach wie vor als "gescheitert". Das Spiel konnte nie seine Erwartungen bestätigen und sei kein Anreiz für einen MMORPGler. Doch warum eigentlich? Warum hat Biowares Ausflug in die galaktische MMO-Welt immer noch so einen schlechten Ruf? Das ist ein Thema, was mich schon länger beschäftigt und auch ein Thema, dem ich mich heute ausführlich in der neuesten Ausgabe der Discussion of the Month widmen möchte.

Was könnte also dazu geführt haben? Ok, dass SWTOR zu Beginn nicht allzu gut lief, ist kein Geheimnis. Viel zu schnell hatte man das damalige Endlevel und damit einhergehend auch das Ende der Fahnenstange erreicht. Den Spielern wurde langweilig, sie warteten auf neue Inhalte und neue Beschäftigungen, die allerdings nicht kamen. Diesen Schuh muss sich Bioware anziehen: das erste Jahr mit SWTOR lief nicht besonders rosig.

Besser wurde es erst, als man sich aufgrund der schwindenden Spielerzahlen (und vermutlich auch, weil es heutzutage zum Leben eines MMOs dazugehört) dazu entschieden hat, SWTOR kostenlos allen Spielern zugänglich zu machen. Mit der Ansage "alle 6 Wochen gibt es einen großen Patch" haben sie für Erstaunen aber auch für Skepsis gesorgt. Niemand konnte damit rechnen, dass Bioware diesen Rhythmus wirklich einhalten kann. Und das bis heute. Bioware muss sich also content-technisch nicht hinter anderen Entwicklern verstecken, eher im Gegenteil. Doch warum wird SWTOR nach wie vor von der Spielerschaft bestraft?

"Hey, du schon wieder!" Mehr zum Thema Bevölkerungsdichte in SWTOR

Wenn wir uns auf den Servern einloggen, können wir uns doch eigentlich nicht über mangelnde Mitspieler beschweren. Tagsüber und auch abends sind die meisten europäischen Server gut befüllt, und auch die Amis können sich nicht beklagen.

Die Statistik auf Torstatus.net beweist: Die Population (hier am Beispiel des deutschen Servers T3-M4) ist ausreichend hoch, durchschnittlich werden die Server stark bis sehr stark ausgelastet. Die hier aufgeführten Abfälle werden die Zeiten darstellen, in welchen die Spieler sich auf Arbeit oder im Bett befinden. Die Höchstmaße werden logischerweise in den Zeiten von ca. 18 bis 24 Uhr erreicht.

t3-m4

Torstatus.net ruft den Status der Server alle 5 Minuten ab.

Also, woran hapert es dann, dass Spieler immer wieder darüber klagen, dass sie keine Mitspieler für Flashpoints finden? Vermutlich werden die meisten, mich eingeschlossen, mit schon festgelegten Gruppen die instanzierten Bereiche betreten, so dass Einzelspieler leider oft den Kürzeren ziehen. Auch hier hat man, wenn man einer Gilde angehört, natürlich Vorteile.

t3m4-24-stunden

Zwischen 18 und 24 Uhr ist am meisten los in SWTOR.

Auch die Foren müssen sich nicht lumpen lassen, die Aktivität ist so groß, wie man sie sonst nur aus größeren MMOs wie beispielsweise World of Warcraft kennt.

Finanzen

Erst kürzlich haben wir erfahren, dass Bioware mit dem Kartellmarkt im letzten Jahr ordentlich Reibach gemacht hat. Satte 139 Millionen US-Dollar konnte Bioware auf seinem Konto gutschreiben und steht hinter World of Warcraft (dem einzigen anderen MMO auf der Liste) auf den 8ten Platz.

gamedata
Wohl gemerkt handelt es sich hier lediglich um die Einnahmen aus dem Kartellmarkt. Wie viel Bioware über die Abonnenten verdient hat, ist nicht bekannt.

Wenn man nun aber überlegt, was Bioware für dieses Jahr noch alles geplant hat (unter anderem zwei neue Erweiterungen!), kann es doch gar nicht so schlecht um das Spiel stehen. Zumindest besser, als es noch vor einem Jahr oder 1 1/2 Jahren der Fall war.

Kurzum: Finanziell geht es SWTOR, zumindest nach außen, recht gut. Würde es anders aussehen, würde man sicher nicht so viel Content einplanen können, weil schlichtweg einfach die Ressourcen fehlen dürften. Und weil EA sehr vermutlich Bioware den Hahn zudrehen und das Spiel auf kurz oder lang absetzen würde.

Wenn die Erweiterung 2x klingelt

Und da wir gerade beim Thema Content waren: Vor einigen Tagen hat Bioware bewiesen, dass sie daran arbeiten, das Spiel voranzubringen. Es kommen große Patches noch und nöcher, die unter anderem neue Flashpoints, neue Storylines, ein neues Kriegsgebiet mitbringen, und zwei Erweiterungen, wobei eine in etwa so groß wie Galactic Starfighter und die andere das Ausmaß von Aufstieg des Huttenkartells annehmen soll.

Und wenn wir zurückblicken auf die Zeit, seitdem SWTOR auf Free to Play umgestellt wurde und Bioware versprach, regelmäßig Content nachzuliefern, haben wir doch eigentlich keinen Grund zur Beschwerde, oder? Wir können Erfolge sammeln, wir können mit unserem Raumjäger durch den Weltraum fliegen und andere Spieler abballern, wir haben eine Menge Flashpoints zur Auswahl, eine ganze Menge Gebiete für die täglichen Missionen und regelmäßige Events – was fehlt dem geneigten SWTORler also noch? Mangel an Inhalten gibt es wirklich keinen.

Der Multiplayer-Aspekt

Und wie sieht es mit dem Gruppenspiel in Star Wars: The Old Republic aus? Doch eigentlich ganz gut! Grundlegend kann man alle Missionen gemeinsam angehen, wir haben Tonnen von Helden-Aufgaben, die auf uns warten, wir kriegen Boni, wenn wir uns in einer Gilde befinden, Gespräche werden zu 90% gemeinsam abgehalten und über zu wenig Flashpoints können wir uns auch nicht beklagen.

Warum also wird SWTOR oft als Single-Player-Titel verschrieen? Das erscheint mir in meinen Augen zutiefst unlogisch zu sein. Klar kann man auch Missionen alleine angehen, aber ab einem bestimmten Punkt ist einfach Schluss. Und gerade die Gespräche mit den NPCs liefern uns doch ein Erlebnis der Gemeinsamkeit. Wir schmieden zusammen Pläne, den nächsten Schurken umzuhauen, Missions-Gegenstände werden auch gemeinsam aus den Gegnern herausgefischt und wenn jemand einen Schalter betätigt, dann gilt das für alle.

Da hat doch Bioware mit SWTOR einen ganz neuen Maßstab gelegt. In allen anderen Vertretern des Genres läuft man doch sehr viel mehr als Einzelkämpfer durch die Gegend als in SWTOR. Ich denke also, dass bei vielen oft die mangelnde Fähigkeit zum Gruppenspiel dahintersteckt. Wenn wir Flashpoints oder Heldenmissionen besuchen, werden wir alsbald gebeten, jegliche Gespräche zu skippen. Da ist es klar, dass kein Gruppengefühl aufkommt. So macht sich jeder ganz allein zum Einzelkämpfer, obwohl das Spiel ganz andere Möglichkeiten bietet.

Zudem möchte jeder die "Herausforderung" annehmen, Heldenmissionen allein zu bewältigen, selbst dann, wenn genügend Kandidaten zur Verfügung stehen. Warum das Ganze also?

Einzig allein während der Klassenmissionen kann ein Gefühl der Einsamkeit entstehen, da man diese oftmals allein hinter sich bringen muss. Auch wenn es möglich ist, dass sich andere Spieler an diesen Missionen beteiligen können, wollen sie es nicht, aus Angst, sich zu spoilern, weil man die betroffene Klasse noch nicht gespielt hat.

Doch wenn sich nun jeder zum selbsternannten Einzelkämpfer erklärt, schaufelt man dann nicht auf diese Art und Weise sein eigenes Grab? Wenn man sich so sehr gegen das Gruppenspiel stellt, aus Storygründen oder weil man den großen Helden spielen möchte, welchen Vorwurf kann man Bioware da machen, die ein Spiel geschaffen haben, dass vor Gruppenspiel nur so strotzt?

Komm her, ich erzähl dir eine Geschichte!

Die Story rund um und in SWTOR wurde oft gelobt. Kaum ein anderes MMORPG schafft es uns so mitzureißen, uns ein so intimes und persönliches Heldengefühl anhand der Klassenstories zu vermitteln. In kaum einem anderen MMORPG bekommen wir die Story so nah mit wie in SWTOR.

guss-tuno

Guss Tuno – einer der wohl sympathischsten Gefährten in ganz SWTOR.

Das hat sicherlich, ach, was sag ich da: Es hat hauptsächlich mit der Vollvertonung zu tun. Man wird quasi gezwungen, zuzuhören, in anderen MMOs klickt man die Questtexte oft weg, aus Zeitgründen, aus Bequemlichkeit oder einfach nur, weil man schnell voranschreiten möchte. Da bekommt man selten etwas von der Story mit.

Und wie oft höre ich, dass Spieler über die Klassenmissionen oder auch Planetenmissionen schwärmen. Wie oft habe ich über die patzigen Antworten meines Schmugglers gelacht? Allein, was Bioware uns da storytechnisch auf die Ohren drückt, ist gigantisch. Klar, sie können es ja auch.

schmuggler-antwort

So kann auch nur ein Schmuggler antworten^^

Dass wir nun mit Kapitel 3 unsere persönliche Geschichte abgeschlossen haben, ist natürlich schade, weil es uns nach mehr dürstet. Vielleicht kommt da auch nochmal was, auch wenn Bioware augenscheinlich mehr die allgemeinen Geschichten, die jeder gleich erlebt, in den Fokus setzt. Der Schrei nach der Fortsetzung der eigenen Heldengeschichte ist groß, schon seit Anbeginn. Wir werden sehen, ob Bioware dieses Wermutstropfen irgendwann auffangen und uns neue Stories präsentieren wird. Wünschenswert wäre es.

Vielleicht würde es aber schon reichen, wenn man den Gefährten mehr Bedeutung zumisst, die ja oft zu kurz kommen. Oftmals als Bote und Lakai für die Drecksarbeit abgestempelt, haben sie ihre großen Momente selten gehabt. Da wäre vielleicht eine Missionsreihe, um diese besser kennenzulernen, ganz nett. Vermutlich aber auch wahnsinnig aufwendig.

Also, Bioware liefert uns mit SWTOR eine grandiose Erlebnisreise durch die Galaxie und hat die Messlatte damit sehr hoch, auch für künftige MMOs, angesetzt.

Gameplay und unsere Aufgaben

Das allgemeine Gameplay ist das, wie wir es aus bereits allen anderen MMORPGs kennen. Es ist Standard. Wir tabben, wir drücken ein paar Knöpfe und treffen den Gegner. Zugegebenermaßen altbacken, aber solide. Erst neuere MMORPGs wie The Elder Scrolls Online werden uns neuere Möglichkeiten bieten, weg vom Tab-, hin zum aktiven Kampfsystem. Sicher erfrischend, weitaus dynamischer und zukunfstweisend.

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Who you gonna call? – Ghostbusters! 😀

Auch die Missionen sind, abgesehen von den Gesprächen mit den NPCs, auch eher 08/15 – es gibt Überraschungen, oftmals aber müssen wir eine unbestimmte Anzahl an Gegnern töten, Gegenstände einsammeln oder diese von einem Punkt zum anderen schleppen. Es ist relativ schlauchartig, man wird "behutsam" von einem Ort zum anderen geführt und vielleicht stolpert man hier und da über eine Nebenmission, abseits der Wege. Klar, nicht revolutionär, eher auch allgemeiner (und beliebter?) MMORPG-Standard, aber auch hier: solide.

Das (Missions-)Rad neu zu erfinden ist sicherlich auch nicht einfach und könnte beim Kunden auf Begeisterung, oder aber auch auf Abwehr stoßen.

Warum? Ganz einfach: Viele Spieler sehnen sich nach Neuheiten, wünschen sich etwas anderes als das allgemeine MMORPG-Geplänkel und schrecken doch zurück, wenn es am Ende etwas anderes herauskommt ist, als sie gewohnt sind.

Warum wird SWTOR immer noch kritisch beäugt?

Zu einem wirklichen Entschluss kann man hier nicht kommen, da SWTOR eigentlich alles bietet, was ein gutes MMORPG braucht: Eine tolle, mitreißende Story, viel zu tun, regelmäßige Content-Patches. Wo hakt es also?

Der allgemeine Tenor in der Spielerschaft lautet: "SWTOR ist Free to Play, war vorher rein Abo = also ist das Spiel gescheitert!" Das stimmt so eigentlich nicht. SWTOR ist lediglich den Weg gegangen, den jedes MMO heutzutage gehen wird. Egal, ob wir da von Elder Scrolls Online, Wildstar oder anderen Kandidaten sprechen, das ist einfach der Lauf der Zeit. Zu Beginn holen sich die Entwickler durch Boxen-Verkäufe und Abogebühren das Geld in die Taschen zurück, was sie für die Entwicklung ausgegeben haben.

Free to Play bedeutet also nicht zwangsläufig, dass das Spiel im Koma oder gar kurz vor dem Tode zu liegen scheint. Es ist lediglich eine Möglichkeit der Entwickler, Userschaft anzulocken und für ihr Spiel zu begeistern. Dass ein MMO die Spielermenge, die zu Beginn auf die Server strömt, halten kann, ist eher selten und unwahrscheinlich. Selbst WoW hat mittlerweile mit starken Abgängen zu kämpfen, dennoch bedeutet das natürlich nicht, dass es schlecht ist.

Da helfen auch Geschenke nichts, wie zuletzt der neue Gleiter, der allen Abonnenten zugestellt werden soll. Die Spieler ergötzen sich eher daran, dass das Mount nicht toll aussieht, anstatt das Geschenk (!!!) dankend anzunehmen und sich darüber zu freuen, dass sie etwas zum Abo kostenlos dazu bekommen. Es wird gemotzt und trotzdem behauptet, Bioware würde den Abonnenten bestrafen. Ist der gemeine Spieler/Abonnent also zu verwöhnt?

Mein Fazit ist, dass der Ruf einen oft vorauseilt. SWTOR hatte anfangs Startschwierigkeiten, das Spiel war bei Weitem nicht fertig, es gab Patchschwierigkeiten (wir alle erinnern uns, als Patch 1.2 plötzlich nach schnellen Bugfix-Wartungsarbeiten von der Bildfläche verschwand), es wurden Leute entlassen (allem voran das deutsche Community-Team) und der Content hat gefehlt. Man hat mit viel, viel längerer Zeit gerechnet, die ein Spieler brauchen würde, um das Endlevel zu erreichen. Dann war man zu langsam, um neuen Content zeitnah zu implementieren und da ist es nur logisch, dass Spieler sich abwenden. Und dass SWTOR nach wie vor als weniger gutes MMO angesehen wird, sind einfach die Spätfolgen des Ganzen. Ist der Ruf erst einmal ruiniert…

Böse Vergangenheit – Der Fluch auf SWTOR

Dabei ist das wirklich schade, weil SWTOR mittlerweile ein sehr ausgereiftes, tolles MMORPG, wenn auch mit kleinen und größeren Macken, geworden ist. Ein Spiel, was durchaus höhere Abozahlen verdient hätte. Andererseits polarisiert SWTOR natürlich, SciFi ist nicht Jedermanns Sache.

Auch wenn Star Wars das wohl größte Franchise der Welt ist, wird in MMOs Fantasy im Mittelalter-Milieu oft vorgezogen. Nicht jeder möchte ein Lichtschwert oder einen Blaster schwingen. Warum, das wissen wohl nur die Götter.

Was denkt ihr darüber? Ist SWTOR wirklich ein so schlechtes oder mittelprächtiges MMO? Was fehlt noch, damit es euch überzeugt? Oder seid ihr doch zufrieden?

Highlights auf starwars.gamona.de:

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