Who shot first #22: Star Wars, das Sci-tasy-chen

von MrJones

Eigentlich ist es eine uralte Diskussion, die ich in dieser Ausgabe unserer Kolumne mal aufgreifen möchte. Aber es ist auch eine Diskussion, die vielen der Star Wars Fans dieser Welt gar nicht in den Sinn kommt. Denn die Frage klingt schon irgendwie absurd: Zu welchem Genre gehört Star Wars eigentlich? Reflexartig schreien nun alle "Sci-Fi" in den Raum, womit sie ja auch recht haben, oder? Ist Star Wars nicht eigentlich Fantasy? Oder vielleicht gar ein Märchen?

Dieser Frage möchte ich im Folgenden nachgehen, wobei ich vorher ein paar Dinge klarstellen möchte: Ich bin kein Fachmann auf dem Gebiet der Genreeinteilung und natürlich soll diese Kolumne vor allem eins sein: Grundlage für eure Diskussion und Spiegel meiner Meinung. Daher: Ich erhebe keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit und werde das doch eigentlich sehr komplexe Thema vermutlich nur oberflächlich ankratzen können. Aber ich finde die Diskussion darum viel zu spannend, als dass ich es lassen könnte.

Also: Was ist denn Star Wars nun? Sci-Fi, oder vielleicht doch eher Fantasy? Sollte es gar ein Märchen sein? Um an dieses Thema auch nur im Ansatz gewinnbringend heranzugehen, müssen wir uns erst einmal überlegen, was Sci-Fi, was Fantasy und was ein Märchen eigentlich im Detail sind und wie sie sich unterscheiden.

Sci-FI

Eigentlich, so habe ich ja schon oben gemutmaßt, werden die meisten Fans Sci-Fi als Genre für Star Wars angeben. Deshalb wollen wir es hier auch an erster Stelle betrachten. Generell behandelt Sci-Fi, so die landläufige Definition, eine fiktive Geschichte, welche vor allem durch ein Thema bestimmt wird, nämlich die Beschreibung von Auswirkungen und Entwicklung neuartiger Technik. Dabei sind Ort und Zeit der Handlung völlig irrelevant, so muss eine Sci-Fi-Geschichte nicht unbedingt im Weltall spielen, schon gar nicht in der Zukunft.

Wenn man an solche Bilder denkt, kann Star Wars nur Science Fiction sein!

Wichtig dabei ist, dass die beschriebenen Neuerungen, Erfindungen und Kräfte, welche in einem Sci-Fi-Plot vorkommen, technisch erklärt werden. Dabei gibt es nun mehrere Theorien, was genau Sci-Fi ist. Die einen sagen, alles in einer Sci-Fi-Welt muss technisch erklärbar sein und auf heutigen wissenschaftlichen Tatsachen basieren. Andere hingegen halten es eher mit dem dritten Clarkeschen Gesetz: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Hier wird dann gesagt, in einem Sci-Fi-Universum müsse alles nur technisch erklärt werden, ob diese Technik realistisch oder wissenschaftlich möglich ist, ist dabei aber Nebensache.

Um das kurz festzuhalten: Ich folge im Rest des Textes der letzten Auffassung. Science Fiction ergibt sich daraus, dass alles Unfassbare durch Technik erklärt wird, egal ob diese nun realistisch ist oder nicht. Teleportieren in Star Trek? Passt. Reisen zu fernen Planeten via Stargate? Passt.

Fantasy

Auch hier ist die Grundvoraussetzung die gleiche, wie bei Sci-Fi. Es ist eine fiktive Geschichte, wobei Ort und Zeit keine Rolle spielen. Es ist also ein weit verbreiteter Irrglaube, jedes mittelalterliche Setting sei Fantasy, oder dass unbedingt Orcs, Elfen oder solche Fabelwesen dazu gehören. Und was unterscheidet die Fantasy dann von der Science Fiction?

Würden wir den Rancor nicht erkennen oder durch einen Drachen ersetzen… Fantasy!

Die Erklärung des Unerklärbaren: Da, wo bei der Science Fiction die Technik herhalten muss, wird diese in einem Fantasy-Setting durch etwas, nennen wir es mal spirituelles ersetzt. Magie funktioniert halt einfach, weil es diese komische Kraft gibt. Götter greifen einfach in die Geschicke von Menschen ein, weil sie durch ihre spirituelle Macht existieren und handelnder Teil der Welt werden.

Klar, diese Grenzen sind stellenweise sehr fließend. So findet man z.B. gerade im Bereich der magischen Kräfte im Sci-Fi oft einen Notbehelf, welcher dann nicht Magie, sondern PSI-Kräfte oder ähnliches genannt wird. Aber ich denke, die Grundunterscheidung ist klar geworden.

Märchen

Man könnte es eine Unterart des Fantasy nennen, aber eigentlich wird es dem auch nicht so wirklich gerecht. Märchen sind doch etwas ganz eigenes, auch wenn sie quasi im Bettchen neben der Fantasy liegen und von deren Tellerchen essen. In Märchen gibt es ziemlich Regeln. So steht hier meist ein mittelalterliches Setting im Vordergrund, sie sind als "historische" Geschichte angelegt und wollen für wahre Münze genommen werden. Und es geht um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Auf der einen Seite der / die strahlende(n) Held(en), auf der anderen der schwarze Ritter / der böse Wolf / die Hexe etc.

Der schwarze Ritter (Darth Vader) holt sich die Prinzessin (Leia) und bringt sie auf seine Burg (Todesstern). Klingt nach klassischem Märchenstoff, oder?

Oft wird hier auch umfangreich mit Magie und Hexerei um sich geworfen und Themen wie Schicksal, Moral und Mut stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Ein oft verwendetes Thema ist das der gefangenen oder verfluchten Prinzessin, welche von ihrem Prinzen / Helden gerettet werden muss.

Star Wars

Tja, nun wirds kompliziert. Wer die Ausgangsfrage bei Lesen der vorherigen Zeilen im Kopf behalten hat, der wird schon gemerkt haben, dass die Antwort darauf nicht so einfach ist. Wir haben nämlich Aspekte aller drei Genres vor uns.

So finden wir auf jeden Fall eine Menge Hinweise darauf, dass Star Wars Science Fiction ist. Die Raumschiffe sind mit durchaus in sich plausiblen, technischen Grundlagen geplant, Lichtschwerter haben einen Bauplan und selbst die Machtempfänglichkeit hat seit Episode 1 eine wissenschaftliche Erklärung, die Midiclorianer.

Aber auch einige Fantasy-Elemente finden sich. So haben wir z.B. keine Erklärung der Macht an sich, welche sich durch rein spirituelle Ideen der Jedi erschließen lässt. Auch andere Elemente wie die Ordensstruktur der Jedi, ihr Ritterdasein und so weiter weisen auf diese Ecke.

Aber diese letzten Punkte passen genauso gut in das Schema Märchen, wie noch so vieles mehr. Gut gegen Böse, Prinzessinnen, die gerettet werden wollen, der schwarze Ritter, die Hexe (in Form des Imperators) und sogar Drachen (Rancor) sind mit von der Partie. Im Großen und Ganzen spricht vor allem aber der sehr hochstilisierte Kampf zwischen Hell und Dunkel / Gut und Böse und die klassische Umsetzung mit eigentlich vollkommen stereotypen Märchenfiguren sehr für dieses Genre.

Abseits davon versucht Star Wars auch nicht, sich selbst in einer fiktiven Welt oder einem anderen Universum zu verorten, was wir schon an den weltberühmten Worten am Beginn eines jeden Films sehen: "Es war einmal vor langer zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis" ist so nahe am klassischen Märchenbeginn, dass man schon fast denken könnte, hier die Sci-Fi Umsetzung von Grimms Märchen vor sich zu haben. Denn: "Es war einmal in einem weit entfernten Königreich" ist uns schon aus frühesten Kindertagen bekannt.

Was ist denn Star Wars nun?

Die Antwort ist so leicht gegeben, wie unbefriedigend. Star Wars lässt sich einfach in keines der Genre wirklich einpassen, es ist ein Wanderer zwischen den Welten. So sind signifikante Elemente des Universums jeweils einem der Genres zuordnenbar, ohne dass sie die anderen Zuordnungen wieder aufheben. Wenn man mich heute fragen würde, wie ich Star Wars einordnen soll, ich würde vermutlich sagen: Star Wars ist ein Science Fiction Weltraum-Märchen. George Lucas hingegen scheint in der Tat deutlich in Richtung Märchen abgeziehlt zu haben, denn allein die Worte zum Beginn sprechen eine klare Sprache, oder?

Und was sagt ihr dazu? Welches Genre würdet ihr über Star Wars schreiben?

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