Who shot first #23: Das geleakte Ende von Episode VII

Die Aufregung ist gewaltig, ein Spoiler trifft die Star Wars Fans wie der Todesstern Alderaan und in den letzten Tagen dürften so einige Kinnladen auf den Tisch geknallt sein. Wie wir euch am vergangenen Donnerstag berichtet haben, wurde angeblich das Ende von Episode VII geleaked und das, was wir auf diversen Seiten als "die reine Wahrheit" verkauft bekommen, klingt nach einer ganz schön großen Sache.

Und solch eine Nachricht kann in meinen Augen nicht undiskutiert bleiben, vor allem, weil ich der Meinung bin, dass die Geschichte zwar plausibel klingt, sogar wirklich gut sein könnte, ja vielleicht sogar wahr sein könnte, aber irgendwie doch zu mutig für Disney ist. Aber ich greife schon viel zu weit vorweg, denn beginnen müssen wir natürlich mit dem, was eigentlich Thema des Ganzen ist.

ACHTUNG! Ab dieser Stelle kommen naturgemäß massive Spoiler zu Episode VII. Auch wenn niemand weiß, ob die Infos stimmen oder nicht, gilt ab dieser Stelle:

WER SICH ZUM ENDE VON EPISODE VII NICHT SPOILERN MÖCHTE, VERLASSE DIESEN TEXT NUN UND KEHRE NIE WIEDER!

Hier ein völlig ungefährlicher Ausweg für alle, die jetzt lieber nicht weiterlesen!

Der Leak oder wie endet Episode VII

Was steckt denn nun hinter dem angeblichen Ende von Episode VII. Hier eine kurze Zusammenfassung für alle, die mit dem Thema noch nicht so vertraut sind. Es geht primär um Luke Skywalker. So wurde ja schon vor einigen Wochen darum gemunkelt, dass Luke in Episode VII gar nicht so oft zu sehen sein wird. Die Gerüchte gingen damals soweit zu behaupten, die Geschichte sei eigentlich, dass Luke seit einigen Jahren verschwunden sei und sich eine Gruppe rund um Han, Leia und die neuen Charaktere von Daisy Ridley und John Boyega auf die Suche nach dem Jedi Meister machen.


Ist das wirklich denkbar? Luke als Sith?

Das nun "geleakte" Material scheint diese Geschichte zu bestätigen, nur dass das, was am Ende gefunden wird, nicht das ist, was viele erwarten. Denn Luke soll, so die Quellen, der Dunklen Seite verfallen und zum Sith Lord geworden sein. Er wird also der neue Antagonist, welcher in Episode VIII und IX bekämpft werden muss. Daisy Ridleys Charakter, nun als Kira bekannt, wird ihm dabei am Ende von Episode VII verfallen und zu seiner Schülerin. John Boyega und die alte Garde sind dann auf sich allein gestellt und werden sich vermutlich gegen Luke wenden müssen.

Soweit die Geschichte. Episode VII endet dann in der Szene, dass Kira vor dem Sith Luke niederkniet und er sie als Schülerin aufnimmt. Cliffhanger. Bumms. Keiner weiß, ob und wie sich die Geschichte dann weiter entwickelt, aber krass und unerwartet sind wohl die schwächsten Adjektive, die wir für dieses Ende finden können. Und ich muss ehrlich sein: Eigentlich finde ich die Idee gar nicht so schlecht. Würde ein solcher Twist dem Universum weit, weit entfernt nicht neuen Schwung geben? Wäre es nicht mal an der Zeit, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und Star Wars in neue Bahnen zu lenken?

Dreht Abrams wieder ein SciFi-Universum um?

Und die erste Reaktion der Fans ist: Was zum Geier hat sich J.J. Abrams dabei gedacht? Der Twist, der hier angedeutet bzw. von den Quellen beschrieben wird, wäre für Abrams nicht mal untypisch, denn auch in Star Trek hat er ja, dank alternativer Zeitlinie, das gesamte Universum umgeschrieben, den Planeten Vulcan explodieren lassen und einige Teile der Kerngeschichte verändert.


Tut er es ein zweites Mal? Krempelt J.J. Abrams auch Star Wars um?

Zieht Abrams das hier ein zweites Mal durch? Wäre denn die Geschichte vom dunklen Lord Luke so unmöglich? Ja, eigentlich schon, zumindest wenn man die bisherige Geschichte in Betracht zieht. Klar, Luke hat, nachdem er seinen Vater verloren und zum zweiten Mal Millionen von Menschen mit dem Todesstern ins Verderben geschickt hat, sicher einige Probleme und auch in den bisherigen Geschichten über die Zeit nach Episode VI stellt sich Luke der dunklen Seite, geht aber eigentlich immer als Sieger daraus hervor. Er begründet den neuen Jedi Orden, wird weiser Anführer und erlebt noch einige Abenteuer, aber immer auf der guten Seite der Macht.

Und warum ist das so wichtig? Ganz einfach: Star Wars basierte bisher immer auf einem Kernthema, nämlich, dass Anakin Skypwalker der Auserwählte ist, welcher die Macht ins Gleichgewicht und Frieden in die Galaxis bringen soll. Das hat er, nachdem er seinen Sohn Luke am Ende von Episode VI gegen den Imperator verteidigte und sein Leben für die Rettung des jungen Jedi gab, erreicht. Die Prophezeiung wurde, wenn auch etwas spät und mit einigen Tiefs, erfüllt. Aber auch nur, wenn sich Luke als Gleichgewicht, als Gutes und als Friedensbringer entwickelt. Nur, wenn die Taten von Anakin am Ende doch zu etwas Gutem führen.

Oder? Gehört zum Gleichgewicht nicht auch immer eine böse Seite? Wäre es nicht denkbar, dass Luke die Lücke von Imperator und Vader einnehmen muss, um das Gleichgewicht zu wahren? Mit diesem Ende von Episode VII wird die Prophezeiung und das "Lebenswerk" von Anakin Skywalker wieder vollkommen in Frage gestellt. Ja, eigentlich wird das gesamte Grundmotiv der vorherigen sechs Episoden angegriffen. Treibt Abrams mit Star Wars also das gleiche Spiel, wie mit Star Trek? Wird es sich wieder mit den Fans und ihren Konventionen anlegen?

Der Untergang der USS Expanded Universe

Würde Abrams dieses Ende nun also tatsächlich wählen, wäre das nicht nur ein Schlag gegen die bisherige Auslegung der Geschichte von Episode 1 bis 6, sondern auch der Torpedo in den Lüftungsschacht des Expanded Universe. Denn diese Geschichte bricht mit so gut wie allem, was wir in der Zeit nach Episode VI bisher an Geschichte kennen. Luke als Sith Lord, der doch der Dunklen Seite verfällt und das Universum in die Verderbnis führen möchte… bisher kein Thema. Lediglich im letzten Abschnitt seines Lebens, als er gegen die Sith-Entität Abeloth antritt, verbündet sich Luke für kurze Zeit mit einigen Sith, um dieser alles bedrohenden Gefahr Herr zu werden. Aber selbst da geht er nie auch nur einen Schritt in Richtung der dunklen Seite.


So viel Stoff, der genutzt werden könnte.

Klar, Disney hat dem Expanded Universe nicht umsonst den Rest gegeben und es vollkommen aus dem Kanon entfernt. Man wollte den Weg für neue, eigene Geschichten frei haben, aber ist es dann trotzdem wahrscheinlich, dass man sich so vollkommen gegen alles stellt, was im EU jemals Thema war? Würde Disney wirklich das Risiko eingehen und Star Wars absolut abseits von dem weiterentwicklen, was bisher Grundfeste und Fanliebe war?

Klar, man würde mit so einem Twist durchaus neues Leben in ein Franchise bringen, das in den letzten Jahrzehnten eigentlich nur von 6 Filmen gelebt hat. Aber ist dabei nicht auch das Risiko gewaltig, das Investment von 4 Milliarden Dollar zu gefährden? Wäre das nicht in etwa so, als würde man in Entenhausen plötzlich Donald Duck zum Verbrecher, Dagobert zur armen Ente und die Panzerknacker zu den Helden machen? Oder als würde man Captain Jack Sparrow plötzlich als nüchternen Strategen und unsympathischen Antagonisten darstellen? Nichts davon würde man wirklich tun, weil man damit nicht nur die Fans, sondern auch die Einnahmen und das gesamte Franchise aufs Spiel setzen würde. Oder? Vielleicht würde eine solche Änderung auch die Fans begeistern, neue Fans gewinnen?

Auf der anderen Seite: Der Weg ist durch die Beerdigung des EU im Namen der Legenden frei und Abrams hat durchaus den Hang bzw. die Erfahrung, solche krassen Einschnitte mitzumachen. Ich persönlich fände es auf der einen Seite sehr schade, wenn man die hier angebotenen und teilweise so tollen Geschichten völlig außer Acht lassen würde. Und trotzdem wäre ich sehr gespannt, wie ein solch neues Herangehen an Star Wars endet, wohin dieser neue Weg führt und ob man damit dem ganzen Universum mal einen Schubs in einer neue, spannende Richtung geben würde.

Lawrence Kasdan – von Schockern und Cliffhangern

Neben Abrams und Disney gibt es aber noch eine Person, die mit einer solchen Geschichte zu tun hätte, und das ist Lawrence Kasdan, J.J.s Co-Autor am Drehbuch von Episode VII und vorher Autor der Geschichte von Episode V und VI. Aber hier interessiert uns eigentlich nur Episode V, denn diese und vor allem das Drehbuch Kasdans passen dann irgendwie doch zu diesem geleakten Ende von Episode VII.


Ein Dreamteam: Abrams Einfallsreichtum und Kasdans Star Wars Erfahrung können doch eigentlich nur Gutes hervorbringen!

Denn erinnern wir uns an Episode V, so sind vielen Fans sicherlich sofort zwei Dinge im Gedächtnis: Das wesentlich düsterere Star Wars und der epische Twist mit dem gewaltigen Cliffhanger am Ende des Films. Vader ist Lukes Vater, Han ist in Karbonit eingefroren, das Imperium ist wieder auf dem Vormarsch und die Zukunft extrem ungewiss. Damit hat Kasdan dem Universum von Star Wars schon einmal eine sehr andere Richtung verpasst und er scheint eine Freude an genau diesen Cliffhangern zu haben, wie er auch hier am Ende von Episode VII erwartet wird. Und, wir wollen es nicht vergessen: Episode V gilt genau aus diesen Gründen als der beliebteste und beste aller Star Wars Filme.

Doch da gibt es dann auch wieder ein kleines Gegenargument. Denn hatte Star-Regisseur David Fincher nicht erst vor wenigen Tagen gesagt, dass er mit Disney nicht auf einen Nenner gekommen ist, weil er genau einen solchen Film wie Episode V machen wollte? Wie passt diese Aussage dazu, dass es nun so aussieht, als würden auch Abrams und Kasdan die Geschichte auf krasse Art neu sortieren?

Donalding – die Disney Ente?

In einer Diskussion mit einigen Freunden und Bekannten auf Twitter über den Spoiler prägte Lars Malcharek (ihr wisst schon, Lisertan, der ehemalige deutsche SWTOR CM) einen Begriff, den ich hier aufgreifen möchte: Donalding. Was steckt dahinter? Wie schon bei einigen anderen Spoilern erwähnt, ist Abrams, aber auch Disney dafür bekannt, Falschinformationen zu streuen und damit die Fans vom eigentlichen Inhalt der kommenden Filme abzulenken. Man streut also quasi bewusst Enten, welche dann im Bezug auf Disney den Begriff Donalding nahelegen.


Oder haben wir hier eine von Disney perfekt platzierte, ziemlich böse Ente vor uns? 😉

Ist das auch hier der Fall? Wir wissen es nicht. Aber es ist nicht gerade unwahrscheinlich. Die gesamten Gerüchte, die in den letzten Wochen rund um die Handlung von Episode VII veröffentlicht wurden, sind von einem sehr kleinen Kreis an Webseiten veröffentlicht worden. Dabei steht sehr oft die Seite MakingStarWars.net im Zentrum der Leaks und immer wieder berufen sie sich auf "sehr vertrauenswürdige Quellen". Auch die Geschichte mit Luke, der vermisst wird und der sich mit der dunklen Seite auseinandersetzen muss, kamen von diesen Quellen dieser Seite. Alles, was so gut zusammenzupassen scheint, kann einer Gruppe weniger Autoren zugeschrieben werden. Alles Amerikaner, alles Leute, die schon lange im Geschäft sind, schon lange über Star Wars schreiben und sicher auch einen relativ guten Kontakt zu Lucasfilm und Disney haben.

Na, riecht irgendwie schon nach Verschwörungstheorie, Aluhut und Co, oder? Haben wir es hier also mit einem sehr gut gemachten Ablenkungsmanöver zu tun? Erfahren wir hier nur die Geschichten, die Abrams und Disney gerne verbreiten wollen, um uns auf eine falsche Fährte zu locken, um uns bei der Stange und Episode VII im Gespräch zu halten? Unwahrscheinlich wirkt auch dieses Szenario nicht.

Meine bescheidene Meinung

Das Fazit ist ganz klar: Wir wissen nicht, was daran wahr und was nur erfunden ist. Es gibt einige Indizien, die die in den Spoilern vorgestellte Geschichte durchaus möglich erscheinen lassen. Sie wäre im Endeffekt nicht mal eine schlechte Geschichte, aber vor allem der Bruch mit allem, was bisher zu Star Wars zählte und was wir erwarten oder uns wünschen könnten, macht sie dann doch irgendwie wieder unwahrscheinlich.


Und am Ende bleiben mehr Fragen, als vorher.

Würde Disney wirklich mit einem solch gewaltigen Franchise und einem Investment von 4 Milliarden Dollar ein solches Risiko eingehen? Das ist eigentlich die entscheidende Frage und wenn man sich den Konzern bisher ansieht, denke ich nicht, dass das sehr wahrscheinlich ist. Disney hütet seine Franchises und ist eigentlich immer sehr bemüht, den Fans das zu liefern, was sie erwarten oder gerne hätten. So erklärt sich auch der Schritt, in Episode VII weniger auf CGI, mehr auf Modelle und echte Sets zu setzen, denn genau das war ein Teil der großen Kritik an Episode I bis III.

Aber ich bin wirklich nicht sicher, wie ich zu diesem Spoiler stehen soll. Das schöne ist, dass wir uns so an den Gedanken klammern können, dass es doch nur eine Ente, ein Donalding aus dem Hause Disney war und im nächsten Jahr den Besuch im Kino noch genauso genießen können, wie wir es eh getan hätten. Und wenn der große Spoiler doch wahr ist, werden wir in Episode VIII und IX sehen müssen, in welche Richtung sich das Universum entwickelt. Denn neu und ungewohnt bedeutet ja im Endeffekt nicht immer schlecht. Auch wenn das Herzschmerz einiger Fans gewaltig sein dürfte, wenn Luke sich der Dunklen Seite hingibt. Wir leben in spannenden Star Wars Zeiten!

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