Who shot first #6: Was passiert denn da bloß?

von Garry

Nun fragt man sich nicht erst seit kurzer Zeit, ob Star Wars: The Old Republic in der Lage sein wird, dem Platzhirschen World of Warcraft ordentlich einzuheizen. Nicht nur in Punkto Spielerzahlen, sondern auch in Punkto Design, Grafik, Playability, User Interface usw. Bedenkt man, dass SWTOR von Bioware – einem der am meisten etablierten Studios überhaupt – entwickelt wird, stehen die Zeichen an sich nicht schlecht. Mit der finanziellen und logistischen Hilfe von Electronic Arts sowie Lucas Arts konnte man sich an ein extrem komplexes Thema wagen, vor dessen Umsetzbarkeit sicherlich die meisten Studios zurückgeschreckt hätten. Spricht man über SWTOR, spricht man angeblich auch über das teuerste Spiel der Gaming-Historie. So lassen zumindest diverse Quellen verlauten.

Keine Frage: der MMO-Branche ist es zu wünschen, dass SWTOR einen gewissen Erfolg feiert. WoW beherrscht den Markt nun seit vielen Jahren und frischer Wind schadet bekanntlich nie. Die Spieler erwarten hier jedoch Fortschritte, gerade in Punkto Balancing und Interface. WoW hat den Standard im Laufe der Zeit zwar sehr hoch geschraubt. Von einem MMO mit einem Investitionsvolumen wie dem von SWTOR darf man aber zumindest gleiches erwarten. Blizzard hat von Anfang die Add-On Entwicklung von Dritten zugelassen – das geschieht über die Scriptsprache LUA. So etwas ist in SWTOR jedoch vorerst nicht geplant und man muss sich schon fragen, warum. Es wäre nicht das erste Mal, dass findige Spieler und Fans ein Spiel in vielen Bereich verbessern.

Natürlich muss man mit verfrühter Kritik vorsichtig sein. Immerhin wird ein SWTOR bei seinem Erscheinen im Dezember an einem MMO gemessen, welches bald sieben Jahre auf dem Buckel hat und mit zahllosen Patches und drei Expansion Packs immer weiter verfeinert und verbessert wurde. Dieser Vergleich ist also aus Sicht der Entwickler sicherlich nicht ganz fair. Aus Sicht der Spielerschaft aber schon. Sie sind hohe spielerische Standard gewohnt und wenn sie diese in einem neuen MMO nicht bekommen, so ist entsprechende Kritik durchaus nicht von der Hand zu weisen. Fehlender Third Party Addon-Support ist nur ein Beispiel.

Man sollte SWTOR aber trotzdem eine faire Chance einräumen, es ist ja noch nicht einmal erschienen. Allerdings sitzen zumindest die Europäer nun schon seit fast 10 Tagen auf dem Beta-Trockenen. Die EU-Beta wurde am 22.Oktober abgeschaltet um einen neuen Beta-Build aufzuspielen – und seitdem herrscht Stillschweigen. Die neue Beta-Version steht noch immer nicht zum Download bereit und das ist schon ein schlagendes Argument, denn immerhin wiegt der SWTOR Client um die 23 Gigabyte (mit englischem Sprachpaket sogar ca. 30GB). Ok, User mit schneller Interleitung mögen darüber lächeln, User mit 3 oder 6 Mbit Internetleitung allerdings nicht. Alle bisher gespielten Beta-Charaktere wurden übrigens gelöscht – was einem Testen von Endcontent auch nicht gerade förderlich ist. Schließlich muss man mit Erscheinen eines neuen Beta-Builds wieder ganz von vorne anfangen.

Wann erscheint SWTOR hierzulande? Nicht erst am 20.Dezember – die Server müssen um 1-2 Wochen früher in den Live-Betrieb genommen werden, denn immerhin haben alle SWTOR Vorbesteller eine sogenannte „Early-Access“- Garantie, dürfen also früher spielen als diejenigen, die sich das Spiel erst am offiziellen Release-Datum kaufen.

Das ist nicht mehr viel Zeit. Bioware bleiben vielleicht noch 4 oder 5 Wochen, in denen ein sinnvolles Testen der Beta möglich ist. Und es reicht nicht aus, ausschließlich auf die laufende US-Beta zu setzen, denn gerade die lokalisierten Versionen erfordern sehr viel Feedback. Das geht von überlangen deutschen Wörtern, die nicht mehr in die dafür vorgesehenen grafischen Boxen passen, bis hin zu Fehlern in Quest-Texten. Auch muss die unübersehbare Menge an Item-Namen sinnig übersetzt werden. Text allerorten, und wenn der nicht stimmig rüberkommt, sind bei Release schon die ersten Meckereien vorprogrammiert.

Man muss sich schon fragen, ob Bioware im Verzug ist. Erfahrungsberichte von deutschen Beta-Spielern, die hier und da durchs Netz geistern, reichen von euphorisierten Fangesängen bis hin zum totalen Verriss. Es ist daher sehr schwer, sich ein objektives Bild des Entwicklungsstandes zu machen.

Was aber überhaupt nicht zu verstehen ist: keine einzige Fanseite hat bisher Zugang zur Beta bekommen. Das lässt auf einen gewissen „Angstlevel“ beim Hersteller schließen, denn Fanseiten sind oftmals Meinungsführer und man möchte sich offensichtlich nicht verfrühter (berechtigter?) Kritik aussetzen. Aber das ist zu kurz gedacht. Gerade Feedback von guten Fanseiten und ihrer erfahrenen Community ist doch überaus hilfreich. Ist es nicht genau das, was für einen Entwickler Gold wert sein kann?

Nun ist es jedoch fast zu spät. Einige wenige Wochen, dann steht SWTOR im Laden. Man muss kein Prophet sein um zu wissen, dass es einen massiven sogenannten „Day 1 Patch“ geben wird. Das ist bei einem derart komplexen Stück Software sicherlich auch verständlich. Nicht jedoch verständlich ist, dass so kurz vor dem Release keine lokalisierte Beta läuft und man folglich auch keinerlei Feedback bekommt.

Ob Bioware mit dem gewählten Bezahl-Modell „Abo“ gut fährt, das bleibt ebenfalls abzuwarten. Vielleicht wäre der Schritt zu einem Free2Play-System doch besser gewesen, denn so besteht die Gefahr, dass viele Spieler nach den ersten vier Wochen das Handtuch werfen und sich nicht auf monatliche Abbuchungen einlassen wollen. Das aber ist Spekulation, erst die Erfahrung wird zeigen, was richtig ist. Sicherlich wird oftmals über Free2Play geschimpft, aber man muss nicht nur den harten Kern der Spielerschaft betrachten, der sicherlich so denkt. Bioware möchte, nein muss an die Masse der Spieler denken, an Gelegenheits-MMO’ler genauso wie an totale Neulinge.

Diese Gedanken sollen aber keineswegs ein „SWTOR-Gebashe“ sein, sondern lediglich den Stand der Dinge beleuchten und das, was sich eine Fanseite im Moment so denkt und was ihr auf der Seele liegt. Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als dass SWTOR ein großer Erfolg wird. SciFi-Setting in einem bekannten Universum ist mal etwas anderes als immer nur Orkse und Drachen.

Trotzdem aber ist nicht zuletzt aufgrund der stillstehenden EU-Beta und der wahrlich mangelhaften Kommunikationspolitik seitens Bioware ein gehöriges Maß an Skepsis zu verspüren und man ertappt sich unweigerlich immer wieder dabei, dass man darüber nachdenkt, wie vieles der große Konkurrent doch richtig macht oder gemacht hat.

Hoffen wir, dass SWTOR die Kurve kriegen wird. Zu wünschen wäre es dem sehr sympathischen Bioware nämlich – wir wollen noch lange Zeit deren Spiele genießen.

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